Wolle zupfen, Müsli essen, Namen tanzen ...

Bestimmt haben Sie noch viele Fragen. Die meisten lassen sich am besten im persönlichen Kontakt mit der Einrichtung klären, für die Sie sich interessieren. Ein paar typische Fragen – und auch einige weit verbreitete Vorurteile – greifen wir hier auf.

Ist Plastikspielzeug im Waldorfkindergarten verboten?

Die Waldorfpädagogik setzt aus gutem Grund auf natürliche Materialien. Holz, Wolle, Seide oder auch Muscheln oder Kastanien vermitteln den Kindern vielfältige, authentische Sinneseindrücke. Die visuelle Wahrnehmung (da ist ein Stein, der ist bestimmt schwer) und das taktile Erleben (der glatte oder auch raue Stein liegt schwer in meiner Hand) stimmen dabei überein. Plastikspielzeug kann solche Erlebnisse kaum vermitteln. Wenn ein Kind einmal sein Lieblingsspielzeug aus Plastik von zu Hause mitbringen will, wird sich aber sicherlich eine Gelegenheit dafür finden.

Gibt es immer nur Müsli zu essen?

Nein! Frühstück und Mittagessen sollten abwechslungsreich sein und werden in den Einrichtungen in der Regel aus regionalen und ökologisch produzierten Lebensmitteln selbst zubereitet. Das gemeinsame Kochen und Backen gehört zu den wichtigen und geliebten Ritualen. Die Kinder erleben dabei mit allen Sinnen den Weg vom Korn zum Brot. Das Essen in fröhlicher Runde sorgt für eine gute Atmosphäre und stärkt nicht zuletzt die Sozialkompetenz der Kinder.

Lernen die Kinder schon im Kindergarten, ihren Namen zu tanzen?

Sie haben vermutlich vom Waldorf-Schulfach Eurythmie gehört? Diese anthroposophische Bewegungskunst, die übrigens sehr viel mehr umfasst als „Namen tanzen“, wird in vielen Waldorfkindergärten einmal wöchentlich angeboten. Die Kinder bewegen sich dabei zu Musik oder kurzen Sprüchen und Gedichten. Das schult die Körperwahrnehmung – und macht den Kindern viel Spaß!

Was lernen die Kinder im Vorschulalter?

Wir begreifen Bildung als eine ganzheitliche Entwicklung – von Anfang an, von der Krippe bis zum Abitur. Die ersten sieben Lebensjahre stellen in diesem Konzept einen eigenen Bildungsbereich dar, in dem wir die besonderen Bedürfnisse der frühkindlichen Entwicklung berücksichtigen. Das letzte Jahr vor der Einschulung hebt sich aber auch im Waldorfkindergarten ein wenig von den Vorjahren ab: Die „Großen“ dürfen so manches Extra-Abenteuer in Wald und Flur erleben und erproben beim Schnitzen, Werken, Nähen und anderen Tätigkeiten ihre Fähigkeiten.

Wie sieht es mit Tablets und Co. aus?

Alles zu seiner Zeit! „Je früher, desto besser“ gilt in der Pädagogik nicht – im Gegenteil, denn wie Schädigungen durch Alkohol oder Drogen macht auch zu früher Medienkonsum das Kind nicht mündig, sondern kann im Gegenteil abhängig machen. Deshalb nehmen wir in der Waldorfpädagogik die Empfehlungen der Hirnforschung sehr ernst und raten von einem zu frühen Medienkonsum dringend ab.

Weitere Hinweise zum Thema Medienmündigkeit finden Sie zum Beispiel im Ratgeber „Gesund aufwachsen in der digitalen Medienwelt“ von diagnose:media. Mehr Informationen dazu und Bestellmöglichkeit hier.

Gehen alle Kindergartenkinder später in die Waldorfschule?

Nein, keineswegs. Viele Eltern möchten den ganzheitlichen Ansatz der Waldorfpädagogik weiterverfolgen und melden ihre Kinder an einer Waldorfschule an, andere entscheiden sich dagegen – zum Beispiel, weil die nächste Waldorfschule zu weit vom Wohnort entfernt ist. Häufig sind Waldorfkindergärten im direkten Umfeld einer Waldorfschule angesiedelt, was bei mehreren Geschwisterkindern für die Eltern sehr praktisch ist. Manchmal gibt es zu wenige Plätze an den Schulen, um alle Interessenten aufzunehmen. Kinder, die einen Waldorfkindergarten besucht haben, haben aber in der Regel gute Aussichten, aufgenommen zu werden.

Gibt es in den Waldorfkindergärten Wartelisten?

In der Regel ja. Über die aktuelle Lage informieren Sie sich am besten direkt vor Ort. Je nach Kommune gibt es auch Online-Anmeldeverfahren.

Was kostet ein Betreuungs-Platz?

In jeder Kommune gibt es Kita-Gebührenordnungen, die auch für die Einrichtungen freier Träger gelten. Da diese in der Regel nicht zu 100 Prozent durch die Kommune finanziert werden, sind meist ergänzende Beiträge nötig. Oft hat ein Waldorfkindergarten auch ein erweitertes Angebot – zum Beispiel beim Essen oder mit wöchentlicher Eurythmie –, dessen Kosten die Eltern tragen. Konkrete Informationen dazu erhalten Sie bei den einzelnen Einrichtungen.

Müssen die Eltern im Waldorfkindergarten putzen?

Um eine gute Erziehungsgemeinschaft mit den Eltern zu bilden, stehen wir in regelmäßigem Austausch über die Entwicklung der Kinder und laden die Eltern zur tatkräftigen Unterstützung unserer Arbeit ein. In manchen Kindergärten ist es deshalb Tradition, dass die Eltern reihum den Putzdienst übernehmen und sich damit um die Sauberkeit und Pflege des Hauses kümmern, in dem ihre Kinder jeden Tag so viel Zeit verbringen. Doch auch gemeinsame Gartentage, Bazare oder Feste sind eine gute Gelegenheit, diese Erziehungsgemeinschaft gemeinsam zu gestalten.

Müssen die Eltern AnthroposophInnen sein?

Die Waldorfpädagogik richtet sich an jedes Kind, unabhängig von der Konfession oder Weltanschauung des Elternhauses. Grundlegend für die Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und ErzieherInnen ist jedoch, dass die Eltern bereit sind, sich über die Grundlagen der pädagogischen Arbeit auszutauschen und diese mitzutragen.

Sind Waldorf-Kindertageseinrichtungen "versteinert"?

Waldorfpädagogik ist keine Ideologie: Sie wird an Hochschulen erforscht und gelehrt – und dabei kontinuierlich weiterentwickelt. Aktuelle Erkenntnisse der Erziehungswissenschaft fließen selbstverständlich in diesen Entwicklungsprozess mit ein. Der Bildungs- und Orientierungsplan von Baden-Württemberg ist gelebte Praxis und die Vernetzung und der Austausch mit anderen Trägern ergänzen die Waldorfpädagogik in unseren Einrichtungen.